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NANO.WIKI

Physik verstehen. Messdaten bestätigen.

Eine rund einen Millimeter dünne Beschichtung als Wärmeschutz klingt zunächst ungewöhnlich. Deshalb möchten wir nicht verlangen, dass man uns einfach glaubt. Das NANO.WIKI erklärt die physikalischen Eigenschaften des Systems, zeigt die dazugehörigen technischen Nachweise und legt offen, was an vollständigen Bauteilen tatsächlich gemessen wurde.

Aufgeschnittene hohle Keramik-Nanosphäre zwischen weiteren Sphären: Wärmestrahlung wird an der Oberfläche zurückgeworfen, die Wärmeleitung nimmt einen längeren Weg um die Hohlräume.

Dieses Wiki führt Markus G. Schlegel, DEKRA-zertifizierter Immobiliensachverständiger D2. Jede Angabe nennt ihre Quelle und ihren Stand.

Schnitt durch eine Massivwand mit Grundierung, Funktionsschicht und Abschlussschicht, beide mit keramischen Hohlkörpern: Der Wärmestrom von innen wird in der Beschichtung schmaler, Sonnenstrahlen werden an der Außenoberfläche zurückgeworfen, und von der Oberfläche geht Wärme an die Umgebung ab.
Schnittbild, nicht maßstäblich — die Beschichtung ist rund einen Millimeter dünn.

Die Wärmebarriere – das Prinzip im Überblick

Die Nanofassadendämmung wirkt nicht an einer einzigen Stelle, sondern als mehrschichtiges Beschichtungssystem.

Keramische Hohlkörper in den Beschichtungsschichten begrenzen die Wärmeleitung im Material. Die Außenoberfläche reflektiert einen großen Teil der einfallenden Sonnenenergie.

Dieses Zusammenspiel bezeichnen wir als Wärmebarriere. Wie stark das vollständige System am Bauteil wirkt, wird im Folgenden nicht nur erklärt, sondern mit Herstellerangaben und Messungen nachvollzogen.

  1. 01 Einfach erklärt Was passiert?
  2. 02 Physik verstehen Warum kann das funktionieren?
  3. 03 Messdaten bestätigen Was wurde tatsächlich nachgewiesen?

Einfach erklärt

Zwei Wege, auf denen Wärme eine Fassade erreicht oder durchquert, nimmt die Nanofassadendämmung in den Blick: die Sonneneinstrahlung und die Wärmeleitung im Material. Die Wärmebarriere ist deshalb keine einzelne Schicht, sondern setzt an zwei verschiedenen Stellen an.

  1. 1

    Die Sonne trifft auf die Wand

    Im Sommer fällt Sonnenstrahlung auf die Fassade. Eine gewöhnliche Oberfläche nimmt einen großen Teil davon auf und wird warm; diese Wärme wandert anschließend nach innen weiter. Die Abschlussschicht wirft den größten Teil der Strahlung zurück, bevor sie überhaupt aufgenommen wird.

    Die Barriere ist hier die Oberfläche selbst. Sonnenenergie, die zurückgeworfen wird, muss gar nicht erst gedämmt werden.

  2. 2

    Wärme wandert durch das Material

    In einem massiven Stoff liegt Teilchen an Teilchen. Wärme wandert von einem zum nächsten, auf kurzem, durchgehendem Weg — das ist Wärmeleitung. Die Beschichtung ist nicht massiv: Sie ist dicht gefüllt mit hohlen Keramikkügelchen, und zwischen ihnen gibt es keinen durchgehenden Feststoff mehr.

    Hier ist die Barriere keine Fläche, sondern ein Umweg: Die Wärme muss jeden Hohlraum umgehen, unzählige Male hintereinander. Dazu kommt laut Hersteller der Knudsen-Effekt: In so kleinen Hohlräumen stoßen die Gasmoleküle eher an die Wand als aneinander und transportieren deshalb deutlich weniger Wärme.

Zwei Wege, zwei Stellen — und keine davon ist eine dicke Schicht. Genau deshalb lässt sich die Wirkung nicht an der Dicke ablesen.

Physik verstehen

Schnittbild, nicht maßstäblich — die Beschichtung ist rund einen Millimeter dünn.

Zwei Orte, an denen das System ansetzt

An der Oberfläche geht es um die Sonne. Sie strahlt kurzwellig; davon wirft die Abschlussschicht einen hohen Anteil zurück — das beschreibt die Gesamtsonnenreflexion. Gemeint ist nur die von außen einfallende Sonnenenergie, nicht die Wärme, die die Wand selbst abgibt.

Im Material geht es um Leitung. Wärmeleitung braucht durchgehenden Kontakt; wo der Feststoff unterbrochen ist, bricht der kurze Weg ab. Die hohlen Keramikkügelchen in Funktions- und Abschlussschicht sind genau diese Unterbrechungen. Wie stark das in Summe wirkt, lässt sich aus dem Prinzip allein nicht ableiten — dafür stehen die Kennwerte des Herstellers und die Messung am fertigen Bauteil.

Nicht die Dicke vergleichen — die Wirkung untersuchen.

Klassische Dämmstoffe erzielen ihren Wärmeschutz vor allem über einen hohen Wärmedurchlasswiderstand einer vergleichsweise dicken Schicht. Die Nanofassadendämmung ist ein anderes Beschichtungssystem. Entscheidend ist deshalb nicht die Frage, wie viele Millimeter mit wie vielen Zentimetern gleichzusetzen sind, sondern welche thermische Wirkung der vollständige Aufbau unter definierten Bedingungen tatsächlich erreicht.

Und die Physik dahinter ist nicht neu: Sehr kleine Poren, die den Wärmetransport des eingeschlossenen Gases beeinflussen, kennt man aus Aerogel. Hauchdünne Beschichtungen, die einen großen Teil der Sonnenstrahlung zurückwerfen, kennt man aus Sonnenschutzglas. Dass eine Gesamtwirkung aus dem Zusammenspiel mehrerer Komponenten entsteht, kennt man vom modernen Isolierglas.

Messdaten bestätigen

Jeder Wirkbereich steht für sich: mit seinem Kennwert und seinem Beleg.

Gesamtwirkung am Bauteil · historische Massivwand, Messfenster 01:15–03:15 Uhr · Testo 635-2 · 11 h 57 min

01

Wärmeleitbegrenzung

Die Materialstruktur begrenzt den Wärmetransport innerhalb der Beschichtung. Für den vollständigen Systemaufbau weist der Hersteller ein äquivalentes Lambda aus.

Belegt

Beide Beschichtungsschichten enthalten keramische Hohlkörper; wo der Feststoff unterbrochen ist, bricht der kurze Weg der Wärmeleitung ab. Für den vollständigen Systemaufbau weist der Hersteller bei 1 mm Schichtdicke ein äquivalentes Lambda von 0,00012 W/(m·K) aus; das entspricht einem Wärmedurchlasswiderstand von 8,3 m²K/W. Ein Plattenversuch nach PN-EN 1745 erfasst davon nur die Leitung im Werkstoff (0,0324 W/(m·K)); der Systemwert geht weit darüber hinaus — er ist ein Rechenwert des Herstellers.

Kennwerte

  • λ 0,00012 W/(m·K) Äquivalenter Systemwert, 1 mm Schichtdicke Quelle: Herstellererklärung – Wärmeleitfähigkeit (Lambda) je Schichttyp · Stand 1.0, 10.07.2026 · Verfahren: äquivalenter Systemwert bei 1 mm Schichtdicke, entspricht R = 8,3 m²K/W Beleg ansehen →

Was das zeigt

  • Der Hersteller weist für den vollständigen Systemaufbau bei 1 mm ein äquivalentes Lambda von 0,00012 W/(m·K) aus.
  • Beide Beschichtungsschichten enthalten keramische Hohlkörper und sind funktionale Bestandteile des Systems — die Abschlussschicht ist keine bloße Schutzlage.
  • Die Leitung im Werkstoff allein ist nach PN-EN 1745 geprüft; sie erklärt nur einen kleinen Teil des Systemwerts.
02

Wärmereflexion

Die Außenoberfläche reflektiert einen hohen Anteil der einfallenden Sonnenstrahlung. Dadurch nimmt die Fassade weniger Sonnenenergie auf.

Belegt

Trifft Sonnenstrahlung auf eine Fassade, wird ein Teil reflektiert und ein Teil von der Oberfläche aufgenommen. Der aufgenommene Anteil erwärmt die Fassade und kann anschließend als Wärme in das Bauteil weitergegeben werden. Die Abschlussschicht wirft einen hohen Anteil bereits an der Oberfläche zurück — Sonnenenergie, die gar nicht erst in der Wand ankommt, muss auch nicht gedämmt werden. Gemeint ist dabei ausschließlich die von außen einfallende Sonnenenergie.

Kennwerte

  • TSR 92 % Abschlussschicht Quelle: CE-Kennzeichnung PSC 250 T · Stand 04/2026 · Verfahren: Hotbox, TÜV-bestätigt Beleg ansehen →

Was das zeigt

  • Ein hoher Anteil der einfallenden Sonnenstrahlung wird reflektiert.
  • Dadurch wird die solare Erwärmung der Fassadenoberfläche begrenzt.
  • Das ist vor allem für den sommerlichen Wärmeschutz von Bedeutung.
03

Gesamtwirkung am Bauteil

An einer realen historischen Massivwand wurde über knapp zwölf Stunden ein sehr niedriger Wärmedurchgang ermittelt.

Am Bauteil gemessen

Die beiden Wirkbereiche erklären, warum die Beschichtung thermisch wirken kann. Entscheidend ist aber, was an der fertigen Wand ankommt — und das lässt sich nicht errechnen, indem man die einzelnen Eigenschaften addiert. Bei einer kontinuierlichen Messung an einer bewohnten historischen Massivwand mit rund 0,5 mm Beschichtung wurden 42.978 Datensätze über 11 h 57 min aufgezeichnet. Im stabilen Auswertefenster von 01:15–03:15 Uhr lag der ermittelte U-Wert im Mittel bei 0,140 W/(m²K); über die gesamte spätere Messphase bei 0,195 W/(m²K).

Kennwerte

  • U 0,140 W/(m²K) historische Massivwand, Messfenster 01:15–03:15 Uhr Quelle: In-situ-Messung PSC-U-2026-001, Testo 635-2 · Stand 06./07.09.2026 · Verfahren: In-situ-Ermittlung mit Testo 635-2 und U-Wert-Kit Beleg ansehen →

Was das zeigt

  • Am untersuchten Bauteil wurde unter dokumentierten Bedingungen ein sehr niedriger Wärmedurchgang ermittelt.
  • Der Wert stammt nicht aus einem einzelnen Ablesewert, sondern aus einem vollständigen Messverlauf.
  • Ein erkannter Messfehler zu Beginn wurde dokumentiert und aus der Auswertung ausgeschlossen.

Transparenz gehört zum Beweis.

Gut dokumentiert

  • Thermische Funktion beider Beschichtungsschichten
  • Wärmeleitfähigkeit des Materials nach PN-EN 1745
  • Gesamtsonnenreflexion
  • In-situ-Ermittlung des U-Werts an einem realen Bauteil

Wird weiter untersucht

  • Übertragbarkeit auf andere Wandaufbauten
  • Direkte Langzeitmessung des Wärmestroms
  • Vergleich einer behandelten mit einer unbehandelten Fläche unter gleichen Bedingungen

Das NANO.WIKI wird mit jeder neuen Messung erweitert.

In Vorbereitung

Nächster Nachweis: Langzeitmessung des Wärmestroms

Im Winter 2026/27 soll die Beweiskette um eine direkte Langzeitmessung ergänzt werden. Geplant sind kontinuierliche Messungen behandelter Wandflächen und — soweit am jeweiligen Objekt möglich — parallele Referenzmessungen unbehandelter Bereiche. Rohdaten, Messbedingungen und Auswertung werden anschließend veröffentlicht.

Welches Ergebnis dabei herauskommt, sagen wir vorher nicht zu. Gemessen wird, was gemessen wird.

Die Unterlagen im Original

Diese Seite erklärt. Die Dokumente dahinter — Leistungserklärungen, Herstellererklärungen, Messberichte und Rohdaten — liegen vollständig in NANO.DOCS.

NANO.DOCS öffnen Messbericht als PDF